Das „Liebhaberei-Wahlrecht“ bei kleinen Photovoltaikanlagen

Nov 19, 2021 | Steuerberatung

­Sehr geehrte Damen und Herren,

wer als Privatperson auf dem Dach seines Einfamilienhauses eine Photovoltaikanlage betreibt, oder mit einem Blockheizkraftwerk Strom erzeugt und diesen zumindest teilweise gegen Entgelt in das öffentliche Netz einspeist, erzielt grundsätzlich Einkünfte aus Gewerbebetrieb, mit denen er der Einkommensteuer unterliegt. Zudem ist er unternehmerisch im Sinne des Umsatzsteuergesetzes tätig. Seit Juni 2021 eröffnet die Finanzverwaltung nun die Möglichkeit, zumindest eine kleine Photovoltaikanlage gänzlich ohne Relevanz für die Einkommensteuer betreiben zu können. 

Was versteht man unter dem „Liebhaberei-Wahlrecht“?
Eine Tätigkeit ohne Gewinnerzielungsabsicht wird steuerlich als „Liebhaberei“ bezeichnet und ist einkommensteuerlich unbeachtlich. Bei kleinen Photovoltaikanlagen und vergleichbaren Blockheizkraftwerken sieht das Bundesfinanzministerium ein einkommensteuerliches Wahlrecht vor. Die Vereinfachungsregelung hat zur Folge, dass diese kleinen Anlagen von Anfang an ohne Gewinnerzielungsabsicht betrieben werden und damit nicht der Einkommensteuer unterliegen. 

Welche Voraussetzungen müssen für das “Liebhaberei-Wahlrecht” gegeben sein?
Photovoltaikanlagen sind bei einer Leistung von bis zu 10 kW begünstigt. Ebenfalls begünstigt sind vergleichbare Blockheizkraftwerke (BHKW) mit einer elektrischen Leistung von bis zu 2,5 kW. Weitere Voraussetzung ist, dass die Anlage nach dem 31.12.2003 erstmalig in Betrieb genommen wurde und auf einem zu eigenen Wohnzwecken genutzten oder unentgeltlich überlassenen Ein- und Zweifamilienhausgrundstück einschließlich Außenanlagen installiert ist. Die Vereinfachungsregelung können Sie auch dann in Anspruch nehmen, wenn Sie in der Immobilie ein häusliches Arbeitszimmer nutzen oder wenn Sie Räume (z.B. Gästezimmer) gelegentlich entgeltlich vermieten und die Mieteinnahmen daraus nicht mehr als 520 Euro betragen.
Die Ausübung des Wahlrechts hat jedoch nicht nur auf die zukünftige steuerliche Behandlung Auswirkung. Auch auf die Vorjahre, in denen die Bescheide verfahrensrechtlich noch geändert werden können (z.B. da der Bescheid unter dem Vorbehalt der Nachprüfung ergangen ist), wirkt sich der Antrag aus. Wurden bisher Verluste aus der Photovoltaikanlage/dem Blockheizkraftwerk berücksichtigt, werden diese nach der Antragstellung rückwirkend gestrichen, wodurch es zu Nachzahlungen für Vorjahre kommen kann. In Vorjahren, in denen die Bescheide verfahrensrechtlich nicht mehr änderbar sind, verbleibt es bei der bisherigen steuerlichen Behandlung.

Vereinfachung gilt nicht für Umsatzsteuer
Die Vereinfachungsregelung gilt dem Bayerischen Landesamt für Steuern zufolge nicht für die Umsatzsteuer. Daher müssen Anlagenbetreiber, die eine Umsatzsteuerpflicht gewählt haben, auch bei Stellung eines Antrages auf Einordnung als Liebhaberei Umsatzsteuervoranmeldungen sowie Umsatzsteuererklärungen abgeben und für privaten Stromverbrauch aus der Anlage Umsatzsteuer abführen. Für Anlagenbetreiber, die die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, bleibt es hingegen dabei, dass sie keine Umsatzsteuer abführen müssen, andererseits aber auch keinen Vorsteuerabzug, etwa hinsichtlich der Anschaffungskosten, in Anspruch nehmen können.